Römisch-katholische Kirche
Die Kirchensteuern der Römisch-katholischen Kirche Luzern sind im schweizerischen Vergleich eher hoch. Zwar sind im Kanton Luzern die Unternehmen auch kirchensteuerpflichtig (wie in den meisten anderen Kantonen der Deutschschweiz), doch als Tiefsteuer-Kanton für Firmen sind auch die Kirchensteuern relativ niedrig angesetzt, so dass bei der Römisch-katholischen Kirche bei den Kirchensteuer-Einnahmen pro Mitglied nur etwa 50 Franken jährlich von den juristischen Personen stammen.
Der viel grössere Teil der Kirchensteuer-Einnahmen pro Mitglied stammt von den natürlichen Personen. Im Durchschnitt liegen die Kirchensteuer-Einnahmen pro Mitglied bei etwa 400 Franken jährlich. Die relativ hohen Kirchensteuern dürften wohl mit ein Grund sein für die ausserordentlich starke Zunahme der Kirchenaustritte in den letzten zehn Jahren, denn es gilt als eine bekannte Korrelation, dass in der Regel hohe Kirchensteuern zu mehr Austritten aus der Kirche führen.
Ein Grund für die Häufung der Kirchenaustritt in den letzten Jahren dürfte aber wohl auch die Erosion der konservativen gesamtgesellschaftlichen Einstellung sein. Während in den Nachbarkantonen Bern, Aargau und Zug schon lange die Anzahl der Austritte aus der Kirche stiegt, erschien es vielen Luzernerinnen und Luzernen eine zu starke gesellschaftliche Exponierung zu sein aus der Kirche auszutreten. Dass ab dem Jahr 2010 das Thema des sexuellen Missbrauchs in der Kirche und Gewaltanwendung gegen Heimkinder wiederholt im den Medien ein grosses Thema war, scheint zu einem rasanten Stimmungsumschwung geführt zu haben.
Die Kirche ihrerseits hält dem aber die Wichtigkeit und die Wirksamkeit der Kirchensteuer-Einnahmen entgegen. Die Römisch-katholische Kirche Luzern war eine der Hauptinitiatorinnen des Projekts Kirchensteuern-sei-Dank.ch, mit welchem im Internet aufgezeigt wird, wie die Kirchensteuern verwendet werden.

Interaktiv können in verschiedenen Themen-Bereichen wie Seelsorge und Soziales, Pfarreileben und Kultur, Schule und Bildung, Gebäude und Unterhalt sowie Kirchgemeinde und Verwaltung die Verwendungszwecke der Kirchensteuer-Gelder erkundet werden.
Evangelisch-reformierte Kirche
Auch die Evangelisch-reformierte Kirche Luzern setzt in den letzten Jahren darauf der Bevölkerung die Notwendigkeit der Kirchensteuern für die Kirchen aufzuzeigen. Einerseits wird betont, dass über das Stimmrecht eine direkte Mitbestimmung über die Verwendung der Kirchensteuern möglich ist.
Andererseits setzt man auf direkteren Austausch, um die Verbundenheit der Kirchensteuer-Zahlerinnen und Zahler mit der Kirche zu stärken. Unter dem Titel „Kirche sucht den Dialog mit der Bevölkerung“ wurde im Kirchenboten ausführlich die durchgeführte digitale E-Grossgruppenkonferenz beschrieben und als erfolgreichen Ansatz gelobt. Rund 190 Teilnehmende schalteten sich ein, vom Regierungspräsident, der Präsidentin der Evangelischen Kirche Schweiz bis zum Konfirmanden. Der innovative Ansatz der E-Grossgruppenkonferenz fand weit herum grosse Beachtung und dürfte wohl auch Nachahmer finden.